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Raffinerien an der Westküste Indiens: Planungen für die Lieferung im September um zehn bis 20 Prozent aufgestockt
Foto: A9999 DB reliance industries/ dpa
Russland steht Insidern zufolge vor einer Ausweitung seiner Ölexporte nach Indien. Grund dafür seien durch ukrainische Drohnenangriffe beschädigte Raffinerien im eigenen Land,sagten mehrere Händler am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Da diese Anlagen weniger Rohöl verarbeiten könnten,müssten die Produzenten mehr davon ins Ausland verkaufen. Sie böten es nun mit höheren Preisnachlässen an.
Wichtigster Abnehmer ist Indien,das sich offensichtlich vom Druck aus Washington wenig beeindruckt zeigt. Drei mit den Verkäufen vertraute Händler sagten,indische Raffinerien würden derzeit ihre Käufe für die Lieferung im September um zehn bis 20 Prozent oder 150.000 bis 300.000 Barrel pro Tag steigern.
Russische Exporteure verkauften die Sorte Urals für September-Ladungen mit einem Abschlag von zwei bis drei Dollar pro Barrel auf die für den Weltmarkt wichtige Referenzsorte Brent,sagten die Händler. Im August hatte der Abschlag nur bei 1,50 Dollar gelegen. Das indische Ölministerium wollte sich auf Nachfrage zunächst nicht dazu äußern.
Die Käufe haben jedoch zu scharfer Kritik der US-Regierung unter Präsident Donald Trump geführt. Diese hatte erst am Mittwoch die US-Zölle auf indische Importe auf 50 Prozent verdoppelt. Die Regierung in Neu-Delhi setzt auf Gespräche,um eine Lösung für die zusätzlichen Zölle zu finden. Gleichzeitig bemüht sich Ministerpräsident Narendra Modi um den Ausbau diplomatischer Beziehungen zu anderen Staaten. Er traf sich unter anderem mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.
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In den ersten 20 Augusttagen importierte Indien nach Daten des Analysehauses Vortexa 1,5 Millionen Barrel russisches Rohöl täglich. Damit deckt das Land rund 40 Prozent seines Ölbedarfs. Experten gehen davon aus,dass Indien an den Importen festhalten wird. Das Brokerhaus CLSA sieht nur eine »begrenzte Wahrscheinlichkeit,dass Indien die russischen Importe stoppt«. Händler erwarten,dass die vollen Auswirkungen der US-Zölle und der verschärften EU-Preisobergrenze erst bei den im Oktober in Indien eintreffenden Ladungen sichtbar werden.
mik/Reuters