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Indiens Premierminister Narendra Modi und US-Präsident Trump
Foto: Andrew Harnik / Getty Images
Die Frist für neue Strafzölle gegen Indien ist abgelaufen,sie treten in Kraft. Das bestätigte der Handelsberater des Weißen Hauses,Peter Navarro. Damit eskaliert der Handelsstreit zwischen den beiden Ländern. Zu dem bereits bestehenden Zoll von 25 Prozent kommt nun ein neuer Strafzoll von 25 Prozent – Grund dafür sind indische Ölkäufe von Russland.
Mit dem neuen Zoll steigen die Abgaben für Waren wie Kleidung,Edelsteine,Schmuck,Schuhe,Sportartikel,Möbel und Chemikalien auf bis zu 50 Prozent. Dies ist einer der höchsten Zollsätze,die die USA erheben,und liegt auf dem Niveau von Brasilien und China.
Der Verschärfung waren fünf Runden ergebnisloser Verhandlungen vorausgegangen. Indien hatte gehofft,die Zölle auf 15 Prozent begrenzen zu können. Diesen Satz gewähren die USA anderen wichtigen Handelspartnern wie Japan,Südkorea und der Europäischen Union. Beide Seiten machten für das Scheitern der Gespräche politische Fehleinschätzungen und Missverständnisse verantwortlich. Einem Vertreter des indischen Handelsministeriums zufolge sollen von den Zöllen betroffene Exporteure finanzielle Unterstützung erhalten. Zudem sollen sie ermutigt werden,ihre Ausfuhren auf Märkte wie China,Lateinamerika und den Nahen Osten umzulenken.
Russisches Rohöl macht mittlerweile fast 40 Prozent der gesamten Öleinkäufe Indiens aus,während es vor dem Krieg fast gar keine Rolle spielte. An der Spitze der indischen Käufe steht das Unternehmen Reliance Industries,das den weltweit größten Raffineriekomplex in Modis Heimatstaat Gujarat betreibt.
»Indien braucht Russland noch für mehrere Jahre für Verteidigungsgüter,billiges Öl,geopolitische Unterstützung auf dem Kontinent und politische Rückendeckung in sensiblen Fragen«,sagte Happymon Jacob,Gründer des Council for Strategic and Defence Research in Delhi. »Das macht Russland zu einem unbezahlbaren Partner für Indien.«
Er fügte jedoch hinzu: »Trotz der Schwierigkeiten zwischen Delhi und Washington unter Trump sind die Vereinigten Staaten weiterhin Indiens wichtigster strategischer Partner. Indien kann sich einfach nicht den Luxus leisten,sich für einen der beiden zu entscheiden,zumindest noch nicht.«
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Der Handelskonflikt belastet die Beziehungen zwischen den USA und Indien,die als wichtige Sicherheitspartner gemeinsame Bedenken gegenüber China teilen. Zudem könnte die Attraktivität Indiens als alternativer Produktionsstandort zu China Schaden nehmen.
Das US-Außenministerium und das indische Außenministerium teilten am Dienstag in gleichlautenden Erklärungen mit,dass hochrangige Beamte beider Länder ihre Absicht bekräftigt hätten,die bilateralen Beziehungen weiter zu vertiefen.
esk/Reuters